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Artikel von Prof. Wolfgang Haader in der Begleitbroschüre zur Vernissage im Rahmen des Projekts "Schulgalerie" 1990 Die Arbeiten von Reinhard Breitner erfüllen beim ersten Einsehen das Erzählende und teilweise Illustrative in der Kunst. Die Bildwelten behandeln das allzu Menschliche, nämlich die diametrale Ebene zwischen Willen und Trieb, die Urangst, das Ausgeliefert sein. Damit reiht sich Breitner in eine starke Tradition österreichischer Malwelt ein. Die Spannweite der bildnerischen Umsetzung liegt im ebenflächig Ornamentalen, wie im "Maskenball", wird zynisch literarisch im "Adolf 1985" und schließlich fast wie im analytischen Kubismus formaufspaltend, wie im Bild "Kontraste". Ist nun die Vielfalt ein Negativum., eine Standortbestimmung oder ganz einfach Hilflosigkeit? Der Weg im künstlerischen Bemühen, erfolgt er einigermaßen ernsthaft, ist fast immer gleich. Erst wird die Idee, das dominante Element im Bild, alles erdrücken, dann die formale Kraft die formalen Schwächen kaschieren. Der Kampf zwischen Scheinraum und aggressiver Farbigkeit laut schreiender Plakativität und aufdringlicher Inhaltlichkeit muß durchlebt, ja einfach durchmalt werden, erst dann ist der Weg zur stillen Innerlichkeit möglich. Breitner hat die ersten Schritte im langen EntWicklungsgang bravourös gemeistert. Nun liegt der richtungsbestimmte Weg in seiner erfahrbaren Ausdehnung vor ihm. Wir alle werden ihm, wie jedem Künstler, helfen müssen die Wegstrecke zurückzulegen - das geschieht durch Anerkennung, durch die Fähigkeit die Bilder zu bestaunen, villeicht auch durch den Versuch, mit den Bildern ins Gespräch zu kommen Es wäre denkbar, durch die Bilder Breitners wieder ein wenig mit sich selbst ins Gespräch zu kommen - sollte es uns gelingen, ist die Mühe nicht umsonst gewesen. Reinhard Breitner wird seinen Weg in der Kunst weitergehen. Seine Bilder werden wahrscheinlich schwieriger werden, es wäre gut, wenn wir ihn begleiten könnten. Prof. Wolfgang Haader (akademischer Maler) | |
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Artikel von Mag. Gerald Schwarz L E T T R E A L ' I N C 0 N N U ( E ) Wie nenn ich Dich? Wäre Reinhard Breitner Dr. Jekyll : Mr. Hyde. Ja! - Aber so: Da die Dinge nicht so einfach liegen? Du bist das Wesen, ...A LA RECHERCHE ... das sein Wesen nicht verändert, so viel hab ich erkannt. Nur Dein Äußeres ändert sich: Picasso, rauchend; Chaplin als Tramp; der Maler selbst?; gefurchte Alte; Frauen; Jesusfiguren; und immer wieder: Frauen. Aber auch Frauen. Marylin! (Beispielsweise.) Diese Verschiedenheiten, die Du Dir von Reinhard aufmanteln läßt, haben mich nur kurz getäuscht. Da kannst Du mit ihm machen, was Du willst: Großformat / Kleinformat; Pinsel / Bleistift / Klebstoff (daß er Dir collagierenderweise neue, besonders dichte Tarnkappen zu erfinden versucht, ist mir noch ziemlich neu); Impuls / Geduld; Mythos / Pointe; Original / de ja-vu(e); Mann / Frau: Es hilft Dir nichts, es hilft Dir nichts -ich erkenne Dich! Und zwar seit ich ...DU TEMPS . .. Deine beiden typischen, nicht camouflierbaren Merkmale freigelegt liabe. Eins: Die Bande - "liens" wäre schöner als jede deutsche Entsprechung. Tritt auf als: Girlande; ausgestreckte Hand; Farbwischer; Schlangen-/ Schwanenhals; Filmrolle (oder hob ich die geträumt?); Straßentrasse; Zweig; Rosenkranz... - Du weißt schon Bescheid. Da habe ich nämlich kapiert, daß Du eingesponnen bist in Dich und zugleich verknüpft mit der Umgebung, beidem unzertrennlich, unfähig zur Ver- Einzelung wie zur Ent- Äußerung. Und die Girlanden, die Kosenkränze und die Straßen sind nur Maskeraden dieses einen, einzigen Sachverhalts, für den Raum - Bande und Zeit - Bande zwei Koordinatenachsen des selben Systems darstellen (Dein verbündeter Maler, der Mathematiker, erklärt Dir das besser). Und - zwei ...PERDU ... Deine Augen. Dieses, Lebendigste jedes lebenden Menschen entdeckt sich bei Dir als erstarrte Bande zu mir: Da will jemand aus dem Bild, aber niemand sagt ihm - wie zum Beispiel mir jeder vierte Tourist auf Fotosafari durch meine Heimat -: "Gehen sie doch bitte aus dem Bild!" So will jemand weg, dieser Jemand, der nämlich immer Du bist, und klammert sich in herrischer, nichts weniger als verlockender Werbung an mich: den Betrachter; den Harmlosen; den Nichtteilnehmenden; den halbundhalben Ausgewogenen. Zieht mich in seine Bande und nagelt mich draußen fest. Ich finde Dich in jedem Bild von Reinhards Hand, da magst Du Dich noch so unsichtbar gemacht haben (harhar!...)...... wie? Du erinnerst mich an jenen persischen Poeten; Jedes Gedicht sei der Spiegel seines Lesers? Nichts da! Könnte Dir so passen! Und wenn es Dir hundertmal gelungen ist, mich in Gespräche zu verwickeln: Du bleibst drin! Du bleibst in Deinem Bilderrahmen! Du bleibst gefälligst der Mr. Hyde - welches Dr. Jekyll? Gerald Schwarz | |
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